Mein "Kampf" gegen den Misti...Es sind ja nun schon einige
Bilder von meinem vulkanischen Freund, dem Misti im Blog zu bewundern. Auch davon, dass die Berge und Vulkane
eine gewisse Fazination auf mich ausüben, habe ich berichtet. Allerdings hätte ich bis vor zwei Wochen nicht gedacht, dass ich jemals auf die Idee kommen würde, einen von ihnen zu erklimmen.
War es
Leichtsinn oder Übermut? Ehrlich gesagt, ich weiß es nicht so genau.
Wahrscheinlich eine Mischung von beidem. Aber sicherlich nicht nur das. Die Neugier auf etwas Unbekanntes und die Frage, ob ich in der Lage sein würde, diese Herausforderung zu bewältigen, spielten in dem Moment, in dem ich sagte: "
Ja, ich bin dabei!" sicherlich auch eine Rolle.
Gefragt wurde ich von
Ueli und seiner Freundin
Hannah. Sie kommen aus der Schweiz und sind auch gerade für einige Zeit in Peru. Die Vierte im Bunde war
Katrina aus Australien. Auch sie lebt momentan in Arequipa und besucht zusammen mit Ueli und Hannah die Sprachschule.
Was insbesondere
Ueli und Hannah von mir unterscheidet ist, dass sie
sehr sportlich sind. Ueli ist im Winter Skilehrer in der Schweiz, im Sommer führt er Touristen durch die Berge. Hannah arbeitet in einem Fitnes-Studio und macht ebenfalls einen sehr durchtrainierten Eindruck auf mich.
Ich gehe spazieren und im Sommer fahre ich auch gerne mal mit dem Fahrrad durch die Lüneburger Heide
und im Anschluss ins Eiscafé.
Kennt ihr dieses Gefühl, wenn man eine
Zusage macht und bereits im selben Moment fast sicher ist, dass es
ein Fehler war?
Wie auch immer... Ueli und Hannah hatten sich um alles gekümmert. Sie haben
einen Jeep mit Fahrer organisiert, der uns zum Fuße des Misti fahren sollte.
Zum Glück hatten wir uns im letzten Moment noch dazu entschieden, nicht auf eigene Faust los zu marschieren, sondern
mit einem Gyde zu gehen.
Es gibt
zwei verschiedene Möglichkeiten, den Vulkan zu bezwingen. Die erste ist, an einem Tag bis zu einem Basiscamp auf ungefähr 4000 Meter Höhe zu steigen, dort zu übernachten und am zweiten Tag den Rest inclusive Abstieg zu bewältigen. Die zweite Möglichkeit ist, in der Nacht zu starten und am nächsten Tag den Gipfel zu erreichen und wieder abzusteigen. Wir entschieden uns für die letzte Variante. Aus diesem Grund haben wir die Tour auch auf den 5. und 6. Juni gelegt, denn an diesem Wochenende war (übrigens auf der ganzen Welt)
Vollmond.
Mit obligatorischer Verspätung wurden wir also von dem Fahrer und unserem Gyde Jerman (spr. Herman) abgeholt und
auf über 3000 Meter zum Fuße des Vulkans gefahren. Dort haben wir uns dann warme Sachen angezogen und los ging´s.
Katrina war das schwächste Glied in der Kette und
das Tempo war sehr langsam. Ueli, Hannah und ich beschlossen deshalb vorzugehen. Ziemlich
bald war allerdings klar, dass ich das Tempo der beiden nicht gehen konnte. Aus diesem Grund trennten wir uns und
nun war ich alleine unterwegs. An einigen Stellen war ich mir trotz der Helligkeit durch den Mond allerdings nicht ganz sicher, wie und wo ich weitergehen sollte. So wartete ich auf Katrina und den Gyde, denn ich hatte nun wirklich keine Lust, mich in dieser Situation zu verlaufen.
Auf ungefähr 4000 Metern wurde mir dann mit aufgehender Sonne
etwas schwummerig. So machte ich ab und zu eine kleine Pause, holte tief Luft und weiter ging´s. Auf einer Höhe von ca.
4500 Metern wurde mir übel und ich fragte mich, was ich hier eigentlich mache. Erstaunlicherweise war irgendwann
wieder alles im Lot. Zwischendurch hätte ich aber wirklich heulen können, denn nicht nur jeder Meter, sondern
jeder Schritt wurde zunehmend
schwieriger. Immer wieder mussten der Gyde und ich auf Katrina warten. Zweimal bin ich dabei
sogar eingeschlafen, obwohl Temperaturen um die 10 Grad minus nicht gerade zu einem Nickerchen einladen.
Irgendwann
am nächsten Tag gegen 12 Uhr kamen mir Hannah und Ueli dann vom Gipfel entgegen. Sie hatten es geschafft und waren bereits auf dem Weg nach unten. In diesem Moment habe ich mich wirklich für die beiden gefreut und schaute nach oben.
Nur noch ungefähr 300 Höhenmeter trennten mich vom Sieg über den Vulkan. Fast im selben Moment stand plözlich unser Gyde vor mir und sagte, dass Katrina nicht weitergehen kann. Auch, wenn sich 300 Höhenmeter erst mal nach nicht viel anhören, so
hätte ich doch noch mindestens 2 Stunden für die Strecke benötigt, denn gerade
die Steigung im letzten Teil ist unglaublich. Als er mir dann sagte, dass es besser wäre, wenn wir alle zusammen absteigen, war ich schon etwas enttäuscht und schaute noch einmal nach oben. Weil es aber wirklich blöd gewesen wäre, wenn die anderen so lange hätten auf mich warten müssen,
entschloss ich, dass die Tour nun auch für mich zu Ende ist. Mittlerweile habe ich mich
mit meinem "Teilsieg" arrangiert und finde, dass es keine Schande ist, dass ich "nur" auf ca. 5600 Meter gekommen bin.
Heute tut mir übrigens so einiges an meinem Körper weh und ich bin wieder einmal erstaunt, an welchen Stellen ich Muskeln zu haben scheine, von denen ich nicht wusste.
Auch, wenn ich den Misti mit seinen 5876 Metern nicht ganz bezwungen habe, ist er trotzdem zu einem "Freund" geworden. Es war sicherlich
die härteste sportliche Herausforderung, der ich mich jemals gestellt habe.
Ungefähr um 1.00 Uhr Morgens sind wir losgegangen. Das Lichtermeer von Arequipa sah von oben aus, wie ein Lavastrom.

Als die Sonne aufging, konnten wir den riesigen
Schatten des Misti über Arequipa sehen. Das war wirklich beeindruckend.

Die Lichtverhältnisse waren leider nicht so toll. Es war ziemlich diesig und ich hätte wahrscheinlich den ISO-Wert herabsetzen müssen.

Aber vielleicht bekommt man ja trotzdem eine Ahnung davon, auf welcher Höhe wir uns befunden haben...


Das ist Jerman,
unser Gyde.

Ueli und Hannah. Obwohl sie gut trainiert sind, waren sie beim Abstieg fix und fertig.


Links von mir kann man den Schnee erkennen, der auf dem Gipfel des Misti liegt.
Es war wirklich nicht mehr sehr weit...


Hier sind wir schon wieder
beim Abstieg. Die Bilder zeigen noch einmal sehr schön, mit welcher Steigung wir gerade im letzten Teil zu kämpfen hatten.

Wenn mich nicht alles täuscht, dann ist das
der Pichu Pichu. Er ist der "kleinste" Berg nach dem Chachani und dem Misti.

Hier kann man ganz gut sehen, wie Hannah den "Abstieg bewältigt. Sie geht nicht, sondern rutscht den Abhang hinunter. Es ist so steil, dass man dabei sehr schnell wird.

Da sind wir noch einmal
alle zusammen. Für den Aufstieg benötigt man je nach Kondition 9-12 Stunden, unten waren wir in ungefähr 2 Stunden.
Am Samstag Nachmittag waren wir zurück. Heute ist Dienstag und
ich bin erkältet, denn in der Nacht hatten wir
ca. 10 Grad minus. Außerdem ist mein Körper
völlig erschöpft, denn sich auf einer Höhe von über 5000 Metern zu bewegen ist nun mal etwas ganz anderes, als durch die Lüneburger Heide zu wandern. Habe heute noch einmal
den ganzen Tag im Bett gelegen. Hoffe, dass ich morgen wieder fit bin. Es war allerdings
ein unglaubliches Erlebnis und trotz der Folgeerscheinungen bin ich froh, dass ich mitgegangen bin.