Aber dann war es halt irgendwann soweit. Die Mütter der Gastfamilien sind mit ihren Kindern in den CVJ gekommen und haben uns dann alle in ihre Familien mitgenommen. So bin dann also auch mit meiner "Mama und meinen kleinen Geschwistern" mitgegangen. Bewaffnet mit meinem Schlafsack und einer Plastiktüte, in der ich die nötigsten Dinge hatte. In meinem neuen "zu Hause" angekommen, war ich erst mal ganz schön unsicher und wusste ja nun auch überhaupt nicht, was ich sagen und machen sollte. Meine Gastmutter hat mir dann erst mal einen der wenigen Stühle angeboten, die zur Verfügung standen und da saß ich nun! Irgendwo in einer Küche in Milagro. Naja... Küche heißt halt, ein Platz mit Gasherd, einer Wäschewanne für den Abwasch und einem Tisch. Es war kein Raum, sondern ein mit Plastikfolie überdachter Bereich, der sich an einem von zwei Räumen anschloss, in denen die ganze Familie lebt. Das geht dort halt deshalb, weil es kaum regnet und die Temperaturen (zumindest tagsüber) kaum unter 20 Grad kommen. Einen Raum haben sie extra für mich gräumt. Dort habe ich dann ganz alleine geschlafen. Das ist schon ein wirklicher Luxus, denn der Rest der Familie (Mama, Papa und drei Kinder) haben während meines Besuches alle in dem anderen Raum geschlafen.
Wenn ich mit meiner Gastmutter gesprochen habe und sie nicht richtig verstehen konnte, ist gleich meine "kleine Schwester (vielleicht 10 Jahre)" als Übersetzerin eingesprungen. Das war für mich ein ganz tolles Erlebnis. Sie lernt in der Schule zwar englisch, war aber auch auf spanisch in der Lage, mir das zu erklären, was ich nicht verstehen konnte. Kinder sind wirklich toll, denn sie können "Brücken bauen" und sind auf eine gewisse Art völlig unkompliziert. So ging das Gespräch dann wirklich gut und wir hatten irgenwie alle unseren Spass.
Besonders beeindruckt hat mich auch, dass sie das Wenige, was sie hatten mit mir geteilt haben. Sie waren alle sehr daran interessiert, woher ich komme und wie es in Deutschland so ist. Sie wollten gerne von mir wissen, ob es in Deutschland Schnee gibt, wie die Temperaturen sind und ob wir auch Berge haben...
Zu diesem Erlebnis schreibe ich deshalb so viel, weil ich kaum Fotos gemacht habe. Irgendwie habe ich mich davor gescheut und ich denke, es war auch gut, dass ich da nun nicht mit meiner Kamera rumgelaufen bin, um alles zu fotographieren. Das hatte für mich in diesem Moment etwas mit Respekt vor den Lebensumständen der Leute zu tun.
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen